Sonntag, 11. Oktober 2015

Trekking im Schatten des Teide, GR 131, Teneriffa (Spanien, Februar 2015)

Unvergesslich war für mich im Jahr zuvor auf Gran Canaria der Blick hinüber zur Nachbarinsel Teneriffa auf den höchsten Berg Spaniens, Pico del Teide. Damit stand irgendwie schon fest, dass ich auch dort hin will.


Nach einem Jahr sehnsüchtigen Wartens, ca. vierstündigem Flug und zwei kurzen Busfahrten stehe ich mit gepacktem Rucksack am Fuss des Teide an der Haltestelle Montana Blanca auf dem wüstenhaften Plateau der Canadas Blancas. Von hier führt ein ca. 7 km langer, gut markierter Wanderweg zum Refugio de Altavista an der Südseite des Teide. Startpunkt einer ca. einwöchigen Trekkingtour im Schatten des Teide.



Wie liegengebliebene, schwarze Bälle sehen die berühmten "Teide Eier" unterhalb der Lavaströme aus. Hier verläuft der breite Weg noch relativ flach in weiten Serpentinen die Geröllhänge hinauf, direkt nach dem Abzweig zum Aussichtspunkt Montana Blanca, geht's auf steilem Pfad zum Refugio hinauf.



Erst früher Nachmittag, doch schon taucht nach kurzweiliger Wanderung das Refugio auf 3260 m über Meereshöhe auf. Wetter traumhaft, Aussicht traumhaft, alles traumhaft.



Aus Langeweile und zur Akklimatisation erkunde ich noch ein Stück des weiteren Aufstieges. Schließlich wollen ich und alle anderen noch in tiefster Dunkelheit am nächsten Morgen aufsteigen, um rechtzeitig zum Sonnenaufgang am Gipfel zu sein. Offiziell ist der Weg vom Refugio zum Gipfel zwar wegen Vereisung gesperrt, mit etwas alpiner Erfahrung und Umgehen der glattesten Stellen zeigen sich aber keine ernstzunehmenden Hindernisse.



Auch wenn die Nacht in der geselligen Hütte aus eher sehr kurzer Schlafenszeit besteht, können wir es früh morgens kaum erwarten, in der eisigen Kälte ( -8 Grad) die restlichen ca. 500 Höhenmeter aufzusteigen. Nur die paar Meter voraus im Lichtkegel der Stirnlampe und die Lichtpunkte der anderen vor oder hinter einem sind zu sehen. Nur das Knirschen des Eises und Gerölls, nur der eigene Atem sind zu hören - bis ich am Gipfel auf 3718 m von ein paar jungen Spaniern mit Applaus empfangen werde...
Ein paar Minuten des Wartens noch,...



dann kommt gegen 7 Uhr direkt über Gran Canaria im Osten der rote Sonnenball durch das Wolkenmeer hindurchgetaucht. Was für ein Glück mit der klaren Atmosphaere!



Dreht man sich um 180 Grad, fällt der Blick auf den pyramidenförmigen Schatten des Gipfels auf der Wolkendecke. Wo auf der Welt gibt es sonst noch einen solchen Anblick?



Auf dem Abstieg gehe ich zum Wasser holen an der Bergstation der Teide-Seilbahn vorbei. Zufällig kann ich gerade zuschauen WIE das kostbare Wasser hier herauf kommt: Erst per Tankwagen zur Talstation, dann Liter für Liter in Tanks unter den Gondeln. Zur Sicherheit benutze ich lieber mein Entkeimungsmittel...



Immer wieder bieten sich grossartige Blicke auf die Landschaft unter dem blauen Himmel und die wolkengefüllten Täler.
Kühl ist es hier oben, doch die Sonne brennt gnadenlos herunter!



Auf ca. halbem Rückweg der Aufstiegsroute vom Vortag zweige ich in Richtung Nationalparkzentrum El Portillo an der TF 21 ab. Blicke zurück zeigen immer wieder tolle Ansichten des Gipfelaufbaus.



Das Visitor Centre El Portillo lädt mit allen Annehmlichkeiten zu einer ausgiebigen Mittagspause ein.
Frisch gestärkt und mit Wasservorrat für die folgende Zeltnacht wandere ich nun auf der Route des GR 131 - Camino Natural Anaga-Chasna nach Westen durch die wüstenhafte Hochebene der Canada Blancas. Die steilen Felswände im Süden und der Teide im Norden sind beeindruckend.



Erst am späten Nachmittag schlage ich in einer Nische auf feinem Lavastaub mein Zelt auf. Noch scheint mir beim Abendessen die Sonne angenehm warm auf den Rücken. Noch...



Kaum ist die Sonne weg, kühlt es rasant ab. Nach einer verdammt kalten Nacht, die mit unter - 6 Grad an die Grenze meiner Ausrüstung geht, zeigt mein Thermometer im ersten Sonnenschein am nächsten Morgen immer noch - 5,8 Grad! (s. Photo), obwohl ich doch über 1700 Höhenmeter tiefer als die Nacht zuvor bin. Ich kann mir das eventuell durch die extrem geringe Luftfeuchtigkeit und die senkenartige Lage in den Canada Blancas erklären.
Wer sich hier vielleicht für eine eigene Tour inspirieren lässt sollte sich merken: Auch auf den "Inseln des ewigen Frühlings" muss man im Februar auf  Kälte vorbereitet sein d.h. neben der Badehose die Winterausrüstung nicht vergessen ;o)



Der GR 131 Fernwanderweg führt in der Nähe des Parador Hotels nach Süden über den steilen Abbruch hinauf aus dem Talkessel der Canada Blancas in das Städtchen Vilaflor hinunter (Einkaufsmöglichkeit). Die Etappe eignet sich auch gut für die traumhaften Abstecher zum Guajara, der "Schwarzen Mondlandschaft" und der "Weißen Mondlandschaft" (Paisaje Lunar).


Erosionstürmchen der Paisaje Lunar (Tipp: südostlich bei den Bungalows zelten, dann kommt man am nächsten Morgen allen anderen Touristen zuvor).



Schon seit einer Woche befindet sich auf ca. 1600 m Höhe eine dichte Wolkendecke, die so manche Strandtouristen bei den Hotels unten am Meer regelrecht zur Verzweiflung bringt (wird mir mehrfach erzählt). Hier oben dagegen tagsüber gnadenlos Sonne pur, abends schöne Abendstimmung!



Die Markierung und Beschilderung des Fernwanderweges ist noch recht neu, gut ohne Detailkarten verfolgbar. Eindeutig nur für Wanderer gedacht!



Trotz schwieriger Wasserversorgung, eignet sich auch der Süden Teneriffas gut für eine Trekkingtour. Die geringe Regenwahrscheinlichkeit ist sehr angenehm beim Zelten!



Kanarische Landschaft kurz vor dem südlichen Ende des Fernwanderweges 131 in Arona. Von dort gute Busanbindung nach Los Cristianos.



Auf dem kleinen Campingplatz Montana Roja bei El Medano lasse ich den anstrengenden (und kalten) Teil der Reise ausklingen. So langsam bessert sich auch hier unten das Wetter...

Planungsinfos: 

Anreise / Abreise: Internationaler Flughafen Tenerife Sud. Tenerife Nord (mehr National). Fähr- und Flugverbindungen (bintercanarias.com) zu den restlichen Kanarischen Inseln. Lokaler Busverkehr (http://www.titsa.com/). Vom Busbahnhof in Los Cristianos kommt man zu den meisten Zielen, v.a. auch zum Ausgangspunkt für eine Teide-Besteigung (Stop am Parador Canadas Blancas,  Talstation Teleferico Teide, danach Montana Blanca und El Portillo)
Karten / Führer: z. B. vom Rother Verlag (Tagestouren). Detailierte Topokarten der Etappen als Pdf-Dateien unter Infos zum GR:
Markierung: Recht gut markiertes und ausgebautes Wegenetz. Ein Teilstück des GR 131 quert die Insel von La Esperanza bis Arona.
Anschluss auf Gomera von San Sebastian bis Vallehermoso.
Der Aufstieg auf den Gipfel des Teide ist nur mit vorher reserviertem Permit möglich (Tag und Zeitfenster!, aber kostenlos) bzw. mit Refugio Übernachtung.  https://www.telefericoteide.com/en
Übernachtung:  Zelt / Biwak. Unbedingt Leave No Trace! Übernachtung im Refugio Altavista muss über den Seilbahnbetreiber vorgebucht werden. Einige Campingplätze z. B. Montana Roja bei El Medano, Camping Nauta (im Winter teils geschlossen).
Areas recreativas (öffentliche Grillplätze), Zonas de acampadas colectivas / reducitas (Caravanstellplätze). Nur mit Permit! (Erhältlich bei Cabildo de Tenerife z. B. via Email mit Formular inkl. Ausweiskopie http://www.todotenerife.es/en/article/show/5091/zonas-de-acampada). http://www.tenerife.es
Proviant / Wasser: Los Cristianos, Vilaflor, Arona, La Esperanza, etc.. Wegen des porösen Lavagesteins kaum Oberflächenwasser. Auf den Areas recreativas und Zonas d'acampadas oft öffentliche Wasserhähne. Weitere Wasserquellen: Seilbahnstationen der Teleferico del Teide. Refugio Altavista. Besucherzentrum des Teide Nationalparks El Portillo. Cafeteria des Hotel Parador Canadas del Teide. Brunnen in Vilaflor. Brunnen in der Bungalow Anlage südlich Paisaje Lunar (meistens Entkeimung ratsam).
Geld: Geldautomaten Santa Cruz, Los Cristianos etc.
Mobilfunk / Internet: Gute Netzabdeckung, auch am Teide.

Sonntag, 14. Juni 2015

Appalachian Trail (USA, April 2013)

Aufgeschoben ist nicht aufgehoben!
Nach 2011 (Berichte) kann ich im Frühjahr 2013 endlich wieder ein Stück nordwärts auf dem Appalachian Trail weiterwandern, und zwar von Harpers Ferry nahe Washington DC aus die Staaten West Virginia, Maryland bis nach Pennsylvania rein.



Gleich zu Anfang ein ganz besonderes Highlight, der offizielle Halfway Point!
Nur noch 1090,5 Meilen, also ca.1745 Kilometer bis zum Ende in Maine!



Unter AT-Wanderern fast schon berühmt-berüchtigt: Pennsylvania Rocks. Felsige Wegabschnitte gibt's wahrlich genug in diesem Bundestaat. Allerdings halb so wild, wenn man öfters in den Alpen war.



Leider komme ich im April noch völlig ausserhalb der Saison im Pine Grove Furnace State Parc an. Sonst hätte ich hier in der "Eisdiele" des General Store das unter Thruhikern bekannte "Half-Gallon Challenge" versuchen können. Nämlich ca. 2 Liter Eiscreme in Rekordzeit essen! Schade, aber bei dem kühlen Wetter wäre das sowieso nicht so angenehm gewesen.



Was das Höhenprofil angeht, hat Pennsylvania einige der angenehm flachsten Abschnitte auf dem ganzen AT. Obwohl das Profil im Guidebook oft darüber hinwegtäuscht, dass sich hinter den langen, ebenen Stücken in Wahrheit  ziemlich unangenehm zu laufende, geröllige Bergrücken verbergen, die kein Ende nehmen wollen...



Manche Abschnitte sind wirklich schöne Spaziergänge durch lichte Wälder, Felder und an Bächen entlang.



Über Philadelphia geht es wieder nach Deutschland, nur eine ca. einjährige Unterbrechung der Wanderung...





Planungsinfos:

Anreise / Abreise: z. B.Gabelflüge: Frankfurt - Washington DC - Philadelphia-Frankfl., FRA - Philadelphia - New York City - FRA. Von / Zu Startpunkten: Harpers Ferry nahe Washington DC mit Bahnhof (s. www.Amtrak.com),  Port Clinton nahe Hamburg PA - Busverbindung über Reading nach Philadelphia (s.Greyhound.com). Pawling NY mit Metro North Railroad Bahnhof (Harlem Line).
Karten / Führer: Topokarten für die Orientierung auf dem AT sind nicht nötig. Genial sind Guidebooks mit fortlaufender Kilometrierung (cumulative mileage). Am besten finde ich "AWOL" A. T. Guide, oder auch Databook von der Appalachian Trail Conference (ATC) www.appalachiantrail.org
Markierung: Hervorragend markiert durch weiße Farbsstreifen (Whiteblazes) an Baumstämmen. Teils Schilder mit Meilenangaben und Shelterabzweigungen.
Übernachtung: Zelt / Biwak fast überall erlaubt. Unbeding Leave No Trace! Alle ca. 10 - 30 km kostenlose selbstversorger  Schutzhütten (Shelter) mit Quelle, Kompostklo, Tisch / Bank. Einige  Hostels (ab ca.10 $) in Trailnähe.
Proviant / Wasser: Zum Einkaufen muss man meist von der nächsten Straßenquerung in eine nahegelegene Stadt gelangen (Trampen). Selten mehr als ca. 70 km Abstände. Wasserversorgung hauptsächlich über Quellen / Bäche (Entkeimung!).
Geld: Geldautomaten (ATM) oft sogar in kleinen Läden. Bezahlung mit allen Arten von Kreditkarten selbst in kleinen Läden üblich.(Meine Prepaid Visacard hat immer funktioniert).
Mobilfunk / Internet: Oft kein Mobilfunknetz im Wald. Auf Bergen und bei Städten meist gute Abdeckung von T-Mobile und Verizon. Oft kostenloses WIFI / W-LAN in Städten, Hotels, Shops. Internetzugang in jeder öffentlichen Stadtbibliothek. Amerikanische Prepaid SIM-Karte meist billiger als deutsche Roamingtarife.